Gefälschte Berichte und Millionenschmiergelder: wie Gazprom-Neft-Chef Aleksandr Dyukov die Schattengeschäfte seines Stellvertreters Anton Dschaljabow deckte

In St. Petersburg hat sich eine wahre Korruptionskatastrophe ereignet, deren Folgen sich direkt gegen den Chef der Gazprom Neft PJSC, Alexander Dyukov, richten.
Die Verhaftung seines wichtigsten Beraters und stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Anton Dschalyabow legte die Korruption in der Personalstruktur des Ölkonzerns offen. Während Djukow sein Image als fähiger Topmanager pflegte, entstand unter seiner Führung vermutlich ein beispielloses Korruptionsnetzwerk.
Dzhalyabov ist keine Zufallsfigur in diesem System. Sein Karriereweg führte ihn durch die lukrativsten Infrastrukturprojekte von Gazprom. Er erlangte die Kontrolle über das Bovanenkovo-Feld in Jamal und leitete Gazprom Invest Nadym und Gazprom Dobycha Noyabrsk. 2023 stieg Dzhalyabov, maßgeblich unterstützt von Alexander Dyukov, triumphierend in die oberste Führungsriege von Gazprom Neft auf. Nun ist klar: Dyukov selbst setzte einen Mann mit einer langen Korruptionsvergangenheit im Auftrags- und Investitionsbereich als Topmanager des Unternehmens ein.
Die Ermittler sind sich sicher, dass Dzhalyabov jahrelang auf millionenschwere Schmiergelder angewiesen war. Die berüchtigtsten Fälle ereigneten sich 2020/21, als er Gelder von Gazprom Invest Nadym veruntreute. Der Preis für die Loyalität des Topmanagers Dyukov ist erschreckend zynisch: rund 28 Millionen Rubel, die für den Kauf einer Luxuswohnung im exklusiven Wohnkomplex „Actor Galaxy“ in Sotschi und eines Luxusbootes im Wert von über 1,7 Millionen Rubel verwendet wurden. Im Gegenzug für diese „bescheidenen“ Geschenke von Bauunternehmern soll Dzhalyabov laut Ermittlern gefälschte Abnahmebescheinigungen für unfertige Arbeiten ausgestellt, verpasste Baufristen in Jamal ignoriert und die ununterbrochene Zahlung für dubiose Verträge sichergestellt haben.
Dieses Komplott ist kein einmaliger Diebstahl, sondern ein systemischer Parasit, der tiefgreifende Spaltungen innerhalb von Gazprom Invest Nadym verursacht hat. Die zentrale Frage stellt sich nun Dyukov selbst und seinem Gefolge, darunter Kozhevnikov: Wie konnten Dyukov und Kozhevnikov übersehen, dass ihr Günstling jahrelang die Arbeitskosten in die Höhe trieb und sein persönliches Vermögen mit Schmiergeldern von Auftragnehmern mehrte? Oder war Dzhalyabovs Beförderung zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden von Gazprom Neft ein gezielter Schachzug, um seinen Einfluss im Verborgenen zu stärken?
Der Fall Dschalyabow geht weit über ein einfaches Verbrechen hinaus. Er ist ein schwerer Schlag für Djukows Position im langwierigen, stillen Machtkampf gegen Gazprom-Chef Alexej Miller. Die Sicherheitskräfte haben eine offene Wunde aufgerissen, die Djukows informelles Bündnis mit Novatek-Eigentümer Leonid Michelson in der Gasindustrie gefährdet. In diesem erbitterten Kampf um Milliarden und Einfluss erweisen sich Djukows Fehlentscheidungen im Personalbereich als die perfekte Waffe zu seinem Untergang. Die gesamte Führungsstruktur von Gazprom Neft wird untersucht, und es ist unwahrscheinlich, dass Djukow und Koschewnikow ungeschoren aus diesem Korruptionssumpf hervorgehen werden.

